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Einführen von Dilatoren bei der Behandlung von Schmerzen beim Sex oder Vaginismus - Pro und Contra

Viele Frauen leiden unter Schmerzen beim Eindringen (Vaginismus), chronischen Schmerzen im Intimbereich oder unter Schmerzen beim Sex. Je nach Quelle spricht man von 45% aller Frauen, die in Ihrem Leben während längerer Zeit unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr leiden.

Schmerzen im Intimbereich oder beim Geschlechtsverkehr sind für eine Frau meistens eine grosse Belastung. Besonders auch, wenn sie gar nichts einführen kann und deshalb vielleicht auch noch nie Geschlechtsverkehr hatte.

Ärzte und Therapeuten empfehlen der Frau gewöhnlich die Anwendung von Dilatoren. Manche Frauen recherchieren auch im Internet und stossen auf das sogenannte Vaginaltraining - wie die Anwendung von Dilatoren häufig auch genannt wird.

So oder so, die meisten Frauen probieren das Einführen von Dilatoren auf eigene Faust aus und ohne richtige Anleitung. Sehr oft geben Frauen das Vaginaltraining frustriert nach einigen Wochen wieder auf oder üben während Monaten oder sogar Jahren mit den ungeliebten Dilatoren. Weil sie dabei unter Schmerzen leiden, weil sie die Motivation verlieren oder weil es schlichtweg nicht richtig klappt.

In diesem Artikel zeige ich dir was die Vor- und Nachteile sind, wenn du bei einer Behandlung von Vaginismus, Vulvodynie oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr Dilatoren anwendest. Ich zeige dir auch einige Tipps wie du Dilatoren richtig anwendest und worauf du speziell achten solltest.

Verhaltenstherapie

Oft sprechen Therapeuten von Dilatorentraining als Verhaltenstherapie.

Dahinter steckt die Überzeugung, dass Frau wiederholt Dilatoren einführt, damit sie sich daran gewöhnt wie sich das Einführen anfühlt.

Es klingt ziemlich logisch, dass dies gut funktioniert. Schliesslich ist Verhaltenstherapie eine fundierte Wissenschaft und allgemein anerkannt.

Das Einführen von Vaginaldilatoren - oder eben Vaginaltraining hat aber auch seine Tücken. Es birgt viele Schwierigkeiten, die es der Frau erschweren mit einer Behandlung voranzukommen.

 

Muss ich mit Dilatoren üben damit ich Schmerzen beim Geschlechtsverkehr erfolgreich überwinden kann?

Ich persönlich empfehle meistens dass du deine Scheide langsam an das Einführen gewöhnst. In deiner eigenen Privatsphäre in deinem eigenen Tempo. Es gibt aber auch ein paar Nachteile, wenn du mit Dilatoren übst.

Damit du für dich selbst abwägen kannst, ob das Üben mit Dilatoren gut für dich ist oder nicht habe ich für dich eine Liste mit Pros und Kontras zusammengestellt.

 

Vorteile Vaginaltraining: die Pro’s

  • Kein Performance Druck!


    Du kannst für dich alleine ausprobieren wie es sich anfühlt etwas in deine Scheide einzuführen. Ganz ohne Druck, dass es jetzt klappen muss. Vielleicht leidest du wie die meisten Frauen seit Jahren unter den Beschwerden.

    Viele Frauen leiden Jahre bis sie eine Diagnose erhalten und eine Behandlung beginnen.
 Das kann eine Frau und ihren Partner in tiefe Krisen stürzen. Statt die schönste Sache der Welt wird Sex zum Problem. Nicht selten meiden die Paare auch intime Momente.

  • Du beginnst klein
    Dilatoren gibt es in unterschiedlichen Grössen, so kannst du dich ganz langsam an das Einführen von Dilatoren gewöhnen. Es ist leichter, wenn du einen kleinen Dilator von der Grösse eines Fingers einführst, als wenn du probierst mit deinem Partner zu schlafen.



    Wenn du erstmal einen kleinen Dilator einführen kannst, kannst du auch ganz leicht einen Tampon einführen. Das gibt dir Sicherheit - du bleibst eher motiviert weiterhin mit Dilatoren (auch grösseren) zu üben als wenn du gleich mit einem grossen Dildo übst.


  • Du entdeckst wie dein Körper reagiert
    Wenn du für dich alleine übst, kannst du in aller Ruhe beobachten wie dein Körper reagiert.

Wo spannst du dich an, wenn du einen Dilator einführst? Wann ist es schmerzhaft, wann beginnt das Brennen? Wann hältst du deinen Atem an?

    

Im Alltag verspannen wir uns oft ganz unbewusst. Wir ziehen unsere Schultern hoch, verspannen den Kiefer und verkrampfen unser Becken. Das gleiche geschieht, wenn du Schmerzen im Intimbereich hast und mit deinem Partner schlafen möchtest. Du spannst ganz unbewusst Körperbereiche an, die eigentlich ganz entspannt sein sollten. Das kann sich auch auf den Beckenboden auswirken.



    Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bändern, die die Scheide umschliessen respektive mit der Scheide verbunden sind. Das heisst, der Beckenboden sollte entspannt sein, damit du etwas ganz entspannt und schmerzfrei einführen kannst.



    Spannungen in den unterschiedlichsten Körperbereichen bewirken oft, dass sich dein Beckenboden verspannt. Es wird dann schwieriger einen Tampon einzuführen oder mit deinem Partner zu schlafen. Es fühlt sich alles eng an oder schmerzt.



    Spannst du z.B. deinen Kiefer an - zackt ist der Beckenboden angespannt. Verkrampfst du deine Beine oder Füsse - zack verspannen sich deine Beckenbodenmuskeln. Ziehst du deine Schultern hoch, hörst du auf zu atmen, verkrampfst du deine Finger - zack verkrampfen sich die Beckenbodenmuskeln gleich mit.

Übst du für dich in deiner eigenen Privatsphäre, kannst du dir Zeit nehmen nur für dich.

  • Du überwindest deine Ängste


    Schmerzen beim Sex, Vaginismus oder Vulvodynie bringen oft grosse Ängste mit sich. Angst vor Brennen oder Schmerzen, Angst vor dem Einführen an sich, Angst dass es wieder nicht funktioniert. Angst führt automatisch dazu, dass du dich verkrampfst. Erst recht wenn du mit deinem Partner schlafen möchtest. Je öfter du die Erfahrung von Schmerzen, Brennen oder nicht Einführen können machst, desto grösser deine Ängste.

 Manchmal ist die Angst auch schon vorher da. Z.B. die Angst davor, dass das Erste Mal schmerzhaft ist, Angst vor einer Schwangerschaft
.

  • Du lernst deinen Intimbereich kennen
    Die meisten Frauen kennen ihren Intimbereich nicht wirklich - nicht nur Frauen, die unter Schmerzen im Intimbereich leiden. Bei der Arbeit mit Frauen höre ich oft
“wie weiss ich ob ich das richtig mache?” 
“ich bin unsicher ob ich den Dilator am richtigen Ort einführe.” 
“ich habe Angst, dass ich mich verletze, wenn ich was einführe”

In Anatomiebüchern ist die Scheide auch meistens als Rohr gezeichnet (klingt doof ich weiss). Wenn du denkst du siehst da unten aus wie auf diesen Bildern, hast du wahrscheinlich das Gefühl, dass deine Scheide immer zu ist.

 Wenn du Dilatoren schmerzfrei und entspannt einführst, merkst du sehr bald, dass dies ein bisschen ein verzerrtes Bild ist. Die Scheidenwände liegen aneinander. Die Scheide schmiegt sich an und es ist immer so viel Platz wie nötig. Sei es für deinen Finger, einen Dilator oder dem Penis deines Partners.


Die Kontras

  • Vaginaltraining wird gleichgesetzt mit dem Erfolg der Therapie
    Die meisten Therapeut/innen - und damit auch die betroffenen Frauen - messen den Erfolg einer Behandlung daran, wieviele Dilatoren du schon einführen kannst. Meistens wird dabei sogar übersehen, dass Vaginaltraining nicht schmerzhaft sein soll.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen sagen “ich kann schon den 5. Dilator einführen - leider brennt es aber noch”. Das soll aber auch nicht das Ziel sein. Es führt nicht zur schönsten Sache der Welt, sondern zu noch mehr Frust und mehr Schmerzen.



    Das Ziel einer Behandlung von Schmerzen beim Sex ist nicht, dass du möglichst viele Dilatoren einführen kannst. (Das ist sicher auch nicht der Grund warum du diesen Artikel liest…).




  • Dilatoren fühlen sich unangenehm an - auch für Frauen ohne Beschwerden
    Ob aus Silikon oder Plastik, Dilatoren fühlen sich hart, kalt und unangenehm an. Nicht gerade das was du erwartest, wenn du deine Sexualität geniessen willst. Das ist nicht zuletzt auch mit ein Grund, warum viele Frauen die Motivation verlieren und eine Behandlung vor sich her schieben oder ganz abbrechen. Es ist schwer sich vorzustellen, dass Sex die schönste Sache der Welt ist, wenn sich Dilatoren so unangenehm anfühlen.
    


  • Beschwerden können sich verschlechtern
    Wenn du wie viele Frauen Dilatoren einführst trotz Schmerzen oder Brennen, hältst du den Schmerzkreislauf aufrecht.

    Unser Gehirn ist ziemlich faul und wehrt sich gegen Veränderungen. Wenn du etwas ständig wiederholst, kreiert dein Gehirn irgendwann einen Automatismus oder Reflex. Dies kennst du z.B. vom Auto fahren. Zu Beginn ist alles schwierig - du würgst ständig den Motor ab, brauchst Stunden bis du dein Auto in eine Parklücke quetschst usw. Mit der Zeit wird dies alles einfacher bis du gar nicht mehr nachdenken musst wie du das jetzt anstellst. Du willst einfach von A nach B und kannst dich auf den Verkehr und deine Route konzentrieren. Alles andere passiert wie von selbst.

    Dasselbe geschieht beim sogenannten Schmerzkreislauf. Du möchtest einen Tampon oder Finger einführen - dein Körper erinnert sich sofort daran wie schmerzhaft Geschlechtsverkehr oder frühere Versuche waren. Automatisch verspannst du dich, verspannen sich die Beckenbodenmuskeln, reagiert der Körper mit Schmerzen oder Brennen.

    Je öfter du die Dilatoren einführst trotz Schmerzen, desto sicherer funktioniert dieser Automatismus. Es ist schwierig da wieder rauszufinden - die einzige Möglichkeit ist einführen ohne Schmerzen.

  • Vor allem bei Frauen in der Pre- oder Menopause empfinden oft ein Brennen der Schleimhäute
    Häufiges Einführen von Dilatoren trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus, es wird schwierig zu unterscheiden was jetzt nun brennt. Trockenheit der Scheide oder verkrampfte Muskeln. Wenn du grosszügig ein gutes Gleitmittel anwendest, ist es gewöhnlich letzteres.


  • Trennung von Sexualität und Intimität
    Dilatoren kannst du ganz mechanisch anwenden, genauso wie wenn du einen Tampon einführst. Vaginismus und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ist oft verbunden mit Angst vor Intimität, Scham oder Angst vor Sexualität. Vielmals lösen sich Beschwerden erst, wenn du (wieder) lernst wie du schamfrei über deine sexuellen Bedürfnisse mit deinem Partner sprichst.

    Wenn du lernst, dass und wie du Intimität mit dir und deinem Partner geniessen kannst. Mit dem Einführen von Dilatoren bleibst du auf der mechanischen Ebene. Dein Körper lernt zwar wie du einen Dilator “erfolgreich” einführst, dafür musst du dich aber überhaupt nicht mit Intimität, deinen Bedürfnissen oder Vorlieben auseinanderzusetzen.

    Das ist nicht mal annähernd eine erfolgreiche Behandlung von Vaginismus. Es ermöglicht dir zwar schmerzfrei etwas einzuführen, aber eher unter Laborbedingungen ohne reale Verbindung zu Sexualität und Intimität in der Partnerschaft. Das führt zum nächsten Punkt…

  • Der Übergang vom Üben mit Dilatoren zu Geschlechtsverkehr ist oft schwierig
    Wenn du über längere Zeit für dich alleine mit Dilatoren übst, kontrollierst du was du da tust. Möchtest du mit deinem Partner schlafen gibst du deine Kontrolle teilweise an deinen Partner ab.

    Dies schafft Unsicherheit. Oft ist die Angst vor Schmerzen oder vor Sex sofort wieder da und damit Angst und Verspannung wenn der Partner eindringt. Was häufig wieder in Schmerzen oder Brennen endet, obwohl es mit den Dilatoren doch so gut funktioniert hat.

    Sexualität geniessen heisst nicht, dass du schmerzfrei Geschlechtsverkehr haben kannst. Sexualität ist persönlich und verbindet dich auf einzigartige Art mit deinem Partner. Es ist das intimste was du mit deinem Partner teilen kannst. Das ist nicht erreichbar mit dem mechanischen Einführen von Dilatoren.



    Sexualität erfordert Vertrauen in deinen Partner. So kannst du loslassen und eine gewisse “Passivität” zulassen. Mit Passivität meine ich nicht, dass du den Sexakt passiv über dich ergehen lassen sollst. Vielmehr meine ich, dass du das Frau-sein so auslebst wie es dem weiblichen Körper entspricht. Die Vagina ist nunmal so gebaut, dass sie loslässt, Kontrolle abgibt und den Penis aufnimmt - eben dass sie passiv ist. Der Mann ist der aktive Part, der Penis dringt ein. Sanft und schmerzfrei, wenn die Scheide dafür empfänglich ist und den Penis aufnimmt, ganz entspannt, weich und frei von Angst und Scham.

    Fazit

    Obwohl Vaginaltraining ein wichtiger Bestandteil einer Behandlung von Vaginismus, Vulvodynie oder Schmerzen beim Sex ist, hat es auch seine Tücken.
    So kann es auch schnell zur Falle werden - du erleidest dann mehr Rückschläge, als dass du wirklich voran kommst.

    Dazu gehört vor allem, dass der Erfolg gewöhnlich daran gemessen wird (auch von Therapeuten), wieviele Dilatoren du schon einführen kannst. Leider unabhängig davon, ob du Beschwerden hast oder nicht.

    Lerne, mit einem unserer Kurse wie du am besten mit Dilatoren übst. Ohne Beschwerden, sanft und erfolgreich.

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